Autor/-in des Monats

Tim Pieper
- Autor des Monats März 2021

Interview mit Tim:

Wann und wodurch hast du gemerkt, dass du gern Bücher schreiben möchtest? Ist es deine Berufung/ Erfüllung?

Früher gab es oft Unordnung in meinem Kopf. Träumereien, Ideen und Fantasien gingen durcheinander. Irgendwann merkte ich, dass ich meine Gedanken bündeln konnte, wenn ich sie auf eine fiktionale Geschichte lenkte und diese weiter ausbaute. Mit dieser Erkenntnis wurde auch der Wunsch, einen Roman zu verfassen, ganz konkret.
Das Schreiben hilft mir, mich zu sammeln. Es beschert mir Glücksmomente. Und es bietet mir ein Betätigungsfeld, das meinen Interessen und meiner Persönlichkeit entspricht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich noch mal etwas anderes mache.

Wie kamst du auf die Idee, Kriminalromane zu schreiben?

Ich lese selber gerne Krimis, und da liegt es nahe, sich in diesem Genre zu versuchen. Aber auch die Vergangenheit bleibt für mich spannend. Mit Sicherheit wird irgendwann wieder ein historischer Roman erscheinen.

Woher kommen deine Ideen für die Handlungen, Verbrechen? Woher kommen deine Ideen für die Charaktere?

Das variiert. Bei der „Dunklen Havel“ faszinierte mich die Idee, das Verbrechen mit dieser idyllischen, fast märchenhaften Flusslandschaft zu kontrastieren. Durch die starken Gegensätze wollte ich einen Sog erzeugen. Bei der „Kalten Havel“ und der „Stillen Havel“ verarbeitete ich mit den „Lost Places“ und dem Filmunternehmen Ufa zwei Themen, mit denen ich mich schon seit Jahren beschäftigt hatte. Und bei der „Tiefen Havel“ hatte ich zuerst den Showdown im Kopf, der gewaltig sein sollte und auf den ich die gesamte Handlung ausrichtete. Die Nebenfiguren passe ich in aller Regel den jeweiligen Themen und Plots an.

Wie lange arbeitest du an einem Havelkrimi, von der Idee, bis zur Veröffentlichung des Buches? Wie viel Recherche steckt hinter jedem Buch?

Die erste Idee liegt manchmal schon viele Jahre zurück. Die konkrete Arbeit an dem Buch dauert ungefähr zwölf Monate. Auf die Recherche lege ich großen Wert, und manchmal ist sie sehr aufwändig. In die „Stille Havel“ flossen zahlreiche Details aus Büchern über die regionale Zeitgeschichte ein, die ich in den letzten fünfzehn Jahren in meiner Freizeit gelesen habe.

Wann und wo schreibst du am liebsten? Was fällt dir beim Schreiben leicht, was geht dir nicht so gut von der Hand?

In einer Familie mit Kindern geht’s oft sehr lebendig zu. Deshalb bin ich froh, dass ich mich zum Schreiben in den Keller zurückziehen kann. In letzter Zeit stehe ich gerne zwischen vier und fünf Uhr morgens auf. Dann hab ich ein paar Stunden, in denen ich mich ganz dem Text widmen kann. Ob mir Dialoge, Charakterisierungen oder Naturbeschreibungen leichter fallen, kann ich nicht sagen. Viele Bausteine bedingen einander und müssen zusammenpassen. Ich hab immer das Gesamtbild im Blick. Erst wenn sich ein harmonisches Ganzes ergibt, bin ich zufrieden.

Wer darf deine Bücher vorab lesen? Besprichst du dich mit jemandem über deine Figuren, Handlungen?

Meine Frau liest die Bücher zuerst. Von ihr bekomme ich ein klares und emotionales Feedback, das für mich sehr wichtig ist. In der Regel weiß ich hinterher, ob eine Erzählstrategie aufgegangen ist oder ob ich etwas ändern muss. Die Figuren und die Handlung bespreche ich vorher nicht. Ich lasse sie lieber in Ruhe reifen. Dann sind sie schon gut durchdacht, wenn sie zum ersten Mal kritisch beäugt werden.

Wie fügst du die Orte an der Havel in die Geschehnisse ein oder ist es andersrum?

Manchmal ist die thematischen Unterfütterung des Krimis ausschlaggebend. Als ich über die "Lost Places" geschrieben habe, lag es nahe, das Olympische Dorf in Elstal und die alte Heeresreitschule in Krampnitz zu integrieren. Und als ich die Binnenschifffahrt behandelte, wollte ich gerne den Hafen in Wustermark und den Havelkanal einbauen. Manchmal halte ich mich auch an besonders geschichtsträchtigen oder schönen Orten auf wie z. B. an der Heilandskirche in Sacrow oder auf dem Wanderweg zwischen Falkenhagener See und Neuer See. Dann entschließe ich mich ganz spontan, eine Szene dort spielen zu lassen.

Wie weit ist die Idee, deine Kriminalromane zu verfilmen?

Die Option für die Filmrechte wurde von einer Produktionsfirma gezogen. Ich hoffe, dass die Krimis irgendwann im Fernsehen oder bei einem Streamingdienst zu sehen sein werden, aber einen Einfluss auf die Realisierung habe ich nicht.

Liest du selbst gern und wenn ja, welche Bücher. Nenne drei Bücher, von denen du denkst, dass sie jeder einmal gelesen haben sollte.

Ich lese sehr viel und bin offen für verschiedene Genres. Im Folgenden nenne ich ein paar Titel, die mir wichtig waren bzw. gefallen haben:

„The secret“ von Rhonda Byrne. Durch dieses Buch habe ich begriffen, dass sich die Gedanken unmittelbar auf die Gefühle auswirken. Für Menschen, die zum Grübeln neigen, bietet dieser Ratgeber praktische Lösungen, um eingefahrene Denkmuster zu durchbrechen, vieles neu zu bewerten und die Stimmungen zu lenken. Für mich war die Lektüre eine große Bereicherung!

„Vaterland“ von Robert Harris war einer der ersten Krimis, die ich Anfang der neunziger Jahre gelesen habe. Der Roman besticht durch eine spannende Handlung, eine tolle Recherche und eine beeindruckende Fiktion. Noch heute zählt der Autor zu meinen Favoriten in der Unterhaltungsliteratur, und ich lasse mir keine Neuerscheinung entgehen. Mit Titeln wie „Intrige“, „Imperium“, „Ghost“ u. a. sind ihm weitere fesselnde Schmöker gelungen.

Krimis aus der Region lese ich ebenfalls sehr gerne. Die Bernie-Gunther-Reihe von Philip Kerr ist in einem tollen Stil geschrieben. Sehr unterhaltsam sind auch „Schatten über Sanssouci“ von meinem Verlagskollegen Oliver Buslau und die Fontane-Reihe von Frank Goyke.

Zwischendurch greife ich gerne zu Büchern, die aus anderen Genres stammen. In der jüngeren Vergangenheit zählten zu meinen Highlights: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Eugen Ruge. „Der kretische Gast“ von Klaus Modick. „Abschiedsfarben“ von Bernhard Schlink. Und „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens.

Lieber Tim, ich danke dir für die Ausführungen! Ivonne

Werke

Leseempfehlung von uns

Finstere Havel
304 Seiten, Emons Verlag, 13,00 €
ISBN: 978-3-7408-1141-9

Am 18.03.2021 erscheint der fünfte Fall für Kommissar Toni Sanftleben!

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