Autor/-in des Monats

Margriet de Moor
– Autorin des Monats Juli 2020

Kurzbiografie

„Margriet de Moor wurde als Margaretha Maria Antonetta Neefjes am 21. November 1941 in Noordwijk geboren. Der Vater war Schulleiter der örtlichen Volksschule, die Mutter Französischlehrerin. De Moor hat neun Geschwister, davon sechs Schwestern. Sie berichtete später, dass sie mit ihren Schwestern oft in einem Bett geschlafen habe – eine wichtige Erfahrung, die auch Einfluss auf ihr literarisches Werk haben sollte. Denn das Schwesternthema ist eine feste Konstante in de Moors Büchern.

Als de Moor 17 Jahre alt war, begann sie am Königlichen Konservatorium in Den Haag ein Gesangs- und Klavierstudium. Nach einer Karriere als Sängerin, die mit ihrem Avantgarde-Repertoire große Erfolge feierte, studierte sie in Amsterdam Kunstgeschichte und Architektur.

Seit ihrer Jugend gehörte das Lesen zu de Moors liebsten Freizeitbeschäftigungen – mit einer Vorliebe für möglichst dicke Romane. Aber niemals, so sagte sie in einem Interview, habe sie daran gedacht, selbst zu Stift und Papier zu greifen und ein Buch zu schreiben. Das änderte sich im Alter von 45 Jahren: Eines Tages habe ihr eigenes Lesen nach Erweiterung zu schreien begonnen, nach einem produktiven Ich, erzählte de Moor. Das Resultat war eine Karriere als erfolgreiche Schriftstellerin, die mit zahlreichen Literaturpreisen bedacht wurde.“
(Zitat Bücherwiki.de)

Schreibstil

„Waren schon ihre musikalischen Vorlieben spezifisch modern, so orientiert sich de Moor auch literarisch an stilistischen Avantgardisten wie Beckett, Borges und Ionesco: »Mein kreatives Denken ist aus musikalischen Formen aufgebaut, ich werde aber nie versuchen, eine bestimmte musikalische Form direkt in Literatur zu übersetzen.« In ihrem Werk beschäftigt sie sich häufig – vor dem Hintergrund historischer Ereignisse und Epochen – mit den schicksalhaften Mächten, die sich dem menschlichen Streben nach Kontrolle über das Leben entgegenstellen.“
(Zitat Literaturfestival.de)

Werke (Auswahl)

Nachfolgend sind alle Romane und Novellen aufgeführt sowie weitere Werke, die auf Deutsch übersetzt wurden. Sein Schaffen umfasst u.a. Werke zur Zeitgeschichte, Tagebücher, Lyrik, Reisebeschreibungen, Dramen und Romane und Novellen.

Leseempfehlung von uns

„Die Verabredung“

Eine Dreiecksgeschichte

Als Frau und Tochter schlafen, findet der Tierarzt Vincent auf dem regennassen Gehsteig einen kleinen Taschenkalender einer unbekannten Frau. Darin steht sein eigener Name. Bereits in diesem Moment weiß er, dass die Begegnung mit der unbekannten Besitzerin des Kalenders schicksalhaft für ihn werden wird.

Süchtig blättert Vincent immer wieder, in jeder freien Minute, in dem Kalender. Er blättert sich das Leben dieser Frau auf, in die er sich nun, ohne sie zu kennen, verliebt. Seine Tage und Nächte drehen sich nur noch um diese fremde Frau. Die Erwartungen der persönlichen Begegnung durch einen Termin in seiner Praxis überwältigen ihn. Tatsächlich kommt die Fremde zu ihm in die Praxis, und noch am selben Tag beginnen sie ein Liebesverhältnis. Doch was verbindet die Geliebte, die schon mit siebzehn fast ihre ganze Familie verlor, mit diesem Mann? Und welche Rolle wird die alte Straße zum Meer für sie beide spielen, auf der schon so viele tödliche Unfälle geschehen sind?

Margriet de Moor erzählt die Geschichte dieser obsessiven Beziehung nicht chronologisch, sondern sie schichtet verschiedene Zeitebenen übereinander und springt im zweiten Teil häufig zwischen ihnen hin und her. "Die Verabredung" ist ein poetischer Roman in einer geschliffenen Sprache.

Mein persönliches Fazit:
Ein Kunstwerk der Erzählkunst. Jeder Satz ist eine Konstruktion aus sorgfältig gewählten Wörtern. Wie bei einem Gemälde, wo man manchmal einen Schritt zurücktreten muss um das Ganze zu erkennen, so liest man auch manche Passage noch einmal, um zu verstehen. Und jeder Satz ist ein Genuss.
Manuela Dietzsch

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